Klack, pock, klack, pock … Wie das Ticken einer Uhr klingt der Tischtennis-Rhythmus durch die Sporthalle der Bickenbergschule. Da wo am späten Nachmittag und am Abend die Mitglieder der DJK-Tischtennisabteilung ihre Trainingsstunden abhalten, stehen am frühen Freitagnachmittag an sechs Tischtennisplatten ca. 12 bis 14 Männer und Frauen in Trainingsanzügen an den Platten. Der Rhythmus ist etwas langsamer, die Schmetterbälle und die Abwehr der Bälle zeugen davon, dass hier eher Laien dieser Sportart frönen.
Hier spielen keine Profis, sondern Frauen und Männer mit körperlichen Einschränkungen. Sie haben Parkinson. Im Training geht es nicht darum, das Gegenüber von der Platte zu putzen. „Unser Ziel sind möglichst lange gleichmäßige Ballwechsel“, erzählt einer der Teilnehmer. Jeder spielt mal gegen jeden oder mit jeder. Sie alle haben aber eine Betreuerin an ihrer Seite. Anette Brugger , die selber aktiv in der DJK Tischtennis spielt und sogar der Abteilung vorsteht, war anfangs des Jahres die Initiatorin dieses Projektes. Sie selber ist Physiotherapeutin und weiß aus Erfahrung, was diese Menschen für körperliche Einschränkungen haben. Da in den Statuten der DJK auch Breitensport angeboten wird, damit Menschen sich zur sportlichen Betätigung treffen. Auch seit Jahren werden Inclusionsangebote ,sprich Eingliederung von Menschen mit Behinderungen bei der DJK bundesweit ausgeschrieben werden, war ihr klar, dass man hier in Villingen ein Angebot unterbreiten kann. Die Teilnehmer schreiben sich als Mitglieder in der DJk ein. "Wer die Diagnose Morbus Parkinson erhält, bekommt zwei Empfehlungen: Medikamente einzunehmen und sich regelmäßig zu bewegen. Ärzte schicken Betroffene dafür auch an die Tischtennisplatte" so Brugger. Seit einigen Jahren gibt es eine Aktion, die sich PingPongParkinson nennt und von Nenad Bach und Will Shortz – der eine Ingenieur und Musiker, der andere Redakteur und Tischtennisspieler initiiert wurde. Als Bach an Parkinson erkrankte und mehr und mehr die Kontrolle über seine Finger verlor, musste er seine Gitarre zur Seite legen. Eher zum Zeitvertreib ging er mit seinem Kumpel Will zum Tischtennis und war verblüfft, wie gut es ihm tat. Das regelmäßige Training, so wird erzählt, führte dazu, dass Bach seine Finger wieder besser bewegen und irgendwann könnte er auch wieder Gitarre spielen. Die fortschreitende Verschlechterung der Symptome der Parkinson-Krankheit wird – nachweislich – durch das Spielen von Tischtennis verlangsamt. „ Das Konzept von PingPongParkinson (PPP) beruht darauf“, so Brugger, „dass es Tischtennis für jedermann mit Parkinson, wohnortnah und völlig unabhängig von den persönlichen Eignungen, also auch für Anfänger, anbieten möchte. Neben die unmittelbaren gesundheitlichen Auswirkungen tritt, dass PPP das Betreuungspotential einer echten Selbsthilfegruppe hat. Mit dem großen psychologischen Vorteil, nicht „zur Selbsthilfe“ zu gehen, sondern zum Tischtennis“. Parkinson-Betroffene sollen nicht vorwiegend passiv therapiert werden. Das pro-aktive Tischtennis-Spielen hat einen durchweg positiven Einfluss auf alle wichtigen Behandlungsziele der physikalischen Therapie und verbindet die sportlichen und gesundheitlichen Aspekte mit dem Spaß am Spiel. Neben den ohnehin aktiven Personen mit Parkinson spricht PPP auch diejenigen an, die sich nicht zu einem selbst organisierten Übungsprogramm motivieren können, da hier der Spaß im Vordergrund steht.Um diesen Menschen zu helfen mit ihrer Krankheit umzugehen, veranlasste Anette Brugger dazu, das Projekt zu starten, dass den Zielen der DJK auch zu Gesicht trägt. „Es macht Freude zu sehen, wie die Teilnehmer mit Freude zum Training kommen, Wie sich mit ihren Kollegen/innen in der Pause unterhalten und sich in der Gemeinschaft wohlfühlen. Wenn einer eine Pause benötigt, dann ist sie ihm gegönnt. Kein Stress, sondern Freude an der Bewegung.“Gerade diese Punkte waren Anlass der AOK Villingen der Abteilung beim Sportlerball in der neuen Tonhalle den Nachhaltigkietspreis im Bereich „Ökologie/Gesundheit und Soziales“ zu überreichen